• Automatisch Digital

    Fachtagung des Türverbands Türautomation

    26. September 2019     

  • Ce-Kennung

    CE-Kennzeichnung von Feuer- und Rauchschutzvorhängen

    Ein Artikel von Claus Schwenzer, BVT-Verband Tore 

  • Slide_001

    Aufbruch in neue Zeiten

    Türen und Tore als Trendsetter für technische Entwicklungen im Baubereich

Brand- und Rauchschutztüren im Schloss Meersburg
Das neue Schloss in Meersburg ist attraktiver geworden
Dipl.-Ing. Claudia El Ahwany

 16.02 TTF 4 15
  Das neue Schloss in Meersburg wurde saniert und umstrukturiert

 

Im Rahmen der Sanierung und Umstrukturierung des Schlosses Meersburg wurde dessen Eingangsbereich für die Besucher vollständig geöffnet. Um dabei den Brandschutzvorschriften zu entsprechen, bauten die Verantwortlichen sämtliche Verglasungen und Türen mit Feuerwiderstand so behutsam ein, dass die Durchgangsbreite der vorhandenen Öffnungen nicht durch zusätzliche Rahmen reduziert wurde. Die Umbauplanungen übernahm das Architekturbüro Aldinger Architekten aus Stuttgart. Entstanden ist ein Entree, das dank den Brandschutztüren von Hoba, Adelberg, eine gelungene Kombination von Alt und Neu zeigt.

Das neue Schloss Meersburg kann auf eine über 300-jährige wechselvolle Geschichte­ zurückblicken. 1710 wurde es als fürstbischöfliches Verwaltungsgebäude errichtet und mit der Zeit repräsentativ­ erweitert – unter anderem nach Plänen des bekannten Baumeisters Balthasar Neumann. Doch schon nach 50 Jahren ging das Objekt infolge der Säkularisation in den Besitz des Landes Baden-Württemberg über. Von da an diente es unterschiedlichen Nutzungen. Seit 1962 ist das denkmalgeschützte Schloss für öffentliche Veranstaltungen sowie Ausstellungen zugänglich. Damit sich die Immobilie zukünftig noch besser für Events, Tagungen und Staatsempfänge nutzen lässt, wurde sie für einen Preis von ca. 4,5 Mio. Euro saniert und umgebaut. Geplant wurde von Aldinger Architekten Planungsgemeinschaft in Stuttgart.


Maßnahmen

In diesem Zusammenhang nahmen die Verantwortlichen zahlreiche Erneuerungsmaßnahmen vor. Beispielsweise besserten Steinmetze die seeseitige Fassade aus und Restauratoren rekonstruierten die Farbgestaltung der Wände des Festsaals. Zudem wurden einzelne Elemente des Schlosses umgebaut bzw. erweitert. Die Verantwortlichen sorgten für eine barrierefreie Erschließung, veranlassten, dass die Sanitär-, Tagungs- sowie Küchenbereiche modernisiert wurden, und installierten ein Café. Im Eingangsbereich sowie im ersten Obergeschoss wurden eine Brandschutz- bzw. zwei Rauchschutztüren eingebaut. Dabei war es den Planern­ wichtig, dass sich die neuen Elemente harmonisch in die Gesamtgestaltung des Schlosses einfügen. Aus diesem Grund entschieden sie sich dafür, die Türen weitestgehend aus Glas fertigen zu lassen.


Perfektion bis ins Detail

Was sich auf den ersten Blick so einleuchtend und einfach anhört, ist bei genauerer Betrachtung eine echte Herausforderung: Denn beim Schloss Meersburg bedeutete dies, dass zwei bewegliche Türblätter einer Brand- bzw. Rauchschutztür an feststehenden Glaselementen befestigt sind. Die Tatsache, dass diese Glaselemente direkt an das alte bogenförmige Gemäuer bzw. an tragende Sandsteinstützen anschließen, macht ihre Montage nicht gerade einfacher. Zumal diese – wie bei solch alten Bauwerken üblich – zwischen Ober- und Unterkante erhebliche Maßabweichungen aufweisen. Diese Maßabweichungen werden jedoch nicht durch einen entsprechenden Holz- oder Metallrahmen abgefangen, sondern durch die stehenden Glaselemente. Der Vorteil: Die Maßtoleranzen fallen dem Betrachter nicht auf, die Tür fügt sich harmonisch ein. Der Nachteil: Bereits bei der Planung und Ausschreibung musste dieser äußerst sorgfältige Umgang mit dem Bestand berücksichtigt werden. Als weitere Besonderheit sollten Brandschutzverglasungen, bestehend aus einer Scheibe, ohne sichtbaren Rahmen in die das Gewölbe tragenden Sandsteinstützen eingebaut werden.

 

16.01 TTF 4 15
Der neu gestaltete Eingangsbereich

 

16.03 TTF 4 15
Gekonnt: Auf einen störenden Holzrahmen kann dank des Hoba-Systems
verzichtet werden


Brandschutzspezialist

Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, vertrauten die Verantwortlichen auf das Wissen und Können der Firma Holzbau Schmid aus Adelberg. Dieser Spezialist für Brandschutzelemente, auch unter dem Namen Hoba bekannt, arbeitete bereits in der Anfangsphase der Entwurfsplanung verschiedenste Konzepte aus und stimmte sie mit dem zuständigen Statiker und dem Denkmalschutz ab. Schon zur Erstellung des Budgetplanes für das Land Baden-Württemberg versorgten die Hoba-Mitarbeiter sowohl den Bauherrn als auch das Planungsbüro mit Vorschlägen einer gelungenen Konstruktion und einem detaillierten Kostenvoranschlag. Dabei konnten die Hoba-Mitarbeiter auf die über 40-jährige Erfahrung des Brandschutzspezialisten zurückgreifen, der zum Teil mehrere Brandschutztürsysteme in einem einzigen Jahr entwickelt und patentieren lässt. Beim Schloss Meersburg kam die Tür „T30-2 HOBA Typ 6“ zum Einsatz.

16.07 TTF 4 15

 

16.06 TTF 4 15


Ausführung

Die mit dem Einbau der Elemente beauftragte Schreinerei Hecht aus Ertingen-Binzwangen ermittelte die Öffnungsmaße der Türen mithilfe eines digitalen dreidimensionalen Aufmaßes und überprüfte diese mit einer Schablone. Anhand der so festgelegten Daten baute Hoba die Türen und lieferte sie montagefertig auf die Baustelle. Um die stehenden Glaselemente sicher in dem Gebäude zu befestigen, mussten schmale Schlitze in das Mauerwerk bzw. die tragenden Sandsteinsäulen gestemmt werden. Erst danach konnten die Handwerker ein U-Profil aus Edelstahl montieren, das Hoba speziell für solche Anwendungen entwickelt hat. Sein Vorteil: Es lässt sich frei an die Geometrie der Wände anpassen. An ihm befestigten die Schreiner die stehenden, bis zu 200 Kilo schweren Glaselemente. Wobei hinzukam, dass die tragenden Sandsteinsäulen mit einem geschwungenen Kapitell ausgestattet sind, was die Arbeit nicht gerade erleichterte. So mussten die Handwerker die großen Glasplatten am Kapitell vorbei in den Sandsteinschlitz einbetten. Sobald diese Elemente derart eingepasst waren, dass sie alle Maßabweichungen ausglichen, konnte der Blockrahmen mit den beweglichen Türflügeln eingebaut werden. Heute fügen­ sich die Türen so gut in die Architektur­ ein, dass sie nur vom aufmerksamen Besucher wahrgenommen werden. Was eigentlich schade ist, denn sie beweisen – genauso wie die historischen Elemente – meisterhafte Handwerkskunst und einen Sinn für Ästhetik.

 

16.04 TTF 4 15
Das Glas ist in die Wand integriert,
die Türe wird vom Glas gehalten


16.05 TTF 4 15
Eigentlich schade: Die Türe fällt nur dem aufmerksamen Besucher auf
Bilder: Hoba

"Der TTF-Report ist das Branchenportal rund um die Bereiche  Tür, Tor, Fenster, Brand- und Einbruchschutz."

Dipl.-Ing. Ulrike Götz, 
Verantwortliche Redakteurin

 RZ RT 2021 Banner Tag Motiv Animiert 267x367 D

 

aktuelle ausgabe head

TTF 1 20 Titel

 

Die nächste Ausgabe
erscheint im März 2020...

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Datenschutzerklärung