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    Fachtagung des Türverbands Türautomation

    26. September 2019     

  • Ce-Kennung

    CE-Kennzeichnung von Feuer- und Rauchschutzvorhängen

    Ein Artikel von Claus Schwenzer, BVT-Verband Tore 

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    Aufbruch in neue Zeiten

    Türen und Tore als Trendsetter für technische Entwicklungen im Baubereich

Einbruchhemmung und sinnvolle Gebäudesicherheit für Fenster, Türen, Fassaden und sonstige Bauteile

war das Thema der am 21./22. Mai 2015 beim ift Rosenheim, im Rahmen der ED PRO Seminarreihe stattgefundenen Veranstaltung.
Über 40 Teilnehmer aus der Bundesrepublik Deutschland und Österreich erfuhren von sechs Referenten, wie die verfügbare Sicherheitstechnik eingesetzt werden kann. Dies gilt nicht nur für neue Bauteile, sondern insbesondere auch für die Nachrüstung im Bestand.

Die Demonstrationen über den handwerklichen Umgang mit Befestigungsmitteln bei unterschiedlichen Baumaterialien und eine beeindruckende Demonstration von Einbruchversuchen mit „normalen“ und mit „modernen und nachrüstbaren“ Sicherheitskomponenten mit den „offiziellen“ Einbruchwerkzeugen, ergänzten die Vorträge.

Die Brisanz der Einbruchdelikte wurde von TR Josef Moosreiner vom Bayerischen Landeskriminalamt – Sicherheitstechnische Prävention – mittels der aktuellen­ Einbruchstatistiken dargelegt. Die gesamtdeutsche Statistik der Einbruchdelikte zeigt, dass Deutschland ein sicheres Land ist, aber der Trend der letzten Jahre leider eine Zunahme der Einbruchdelikte aufweist. Andererseits ist eine positive Bilanz in der Anwendung der sicherheitstechnischen Bauteile zu verzeichnen. So wurden von den gemeldeten Einbruchdelikten 41,4  % als abgebrochen registriert. Hier haben die modernen Sicherheitseinrichtungen bzw. -bauteile ihre Wirkung nachgewiesen. Der Anteil der Tageseinbrüche ist über 40  %. Die Hauseigentümer sind aufgerufen, die moderne Sicherheitstechnik anzuwenden. Fenster und Fenstertüren sind offensichtlich die Schwachstellen eines Hauses.

Bei Einfamilienhäusern sind es 28  % bei Fenstern und 39,5  % bei Fenster­türen im EG. Bei Mehrfamilienhäusern sind dies bei Fenstern 21,9  % und bei den Wohnungseingangstüren sogar 51,2  % der gemeldeten Delikte. Bei der Täterarbeitsweise überwiegt das „Aufhebeln“ mit 72,3  %. Moderne Pilzkopfverriegelungen schaffen hier Verbesserung. Glasbruch und Angriffe auf Schließzylinder usw. liegen allgemein unter 10 % der Fälle. Letzteres ist dem vermehrt angewendeten Schutz gegen Aufbohren und moderner Schlosstechnik zuzuschreiben.

Neben der rein statistischen Erfassung der Einbruchdelikte analysiert das LKA bei den gemeldeten Fällen auch die Wirksamkeit von Schutzeinrichtungen. Schwachstellen von Konstruktionen werden so offengelegt und können allen interessierten Stellen, Unternehmen oder Personen nützlich sein. Verschiedene Beispiele aus der Praxis zeigten oftmals banale Ursachen.

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Auf die Säulen des präventiven Einbruchschutzes in Deutschland wurde besonders eingegangen und dessen Grundlagen erläutert. Basis für Hersteller und Montagebetriebe sind die Kenntnis und die Einhaltung der einschlägigen Normen nationaler und europäischer Regelwerke. Ein ebenso wichtiger Aspekt ist, die Anwender, d.h. Wohnungseigentümer, Hausbesitzer, auch Mieter, davon zu überzeugen, diese moderne Sicherheitstechnik auch anzuwenden.

Die polizeilichen Beratungsstellen sind in der Bundesrepublik engmaschig verteilt und können kostenlos in Anspruch genommen werden. In einem Verzeichnis über geprüfte und zertifizierte Produkte und einer Übersicht über kompetente und zertifizierte Unternehmen, können Informationen nachgelesen werden. Auch die Quellen von Finanzierungshilfen sind bei den polizeilichen Beratungsstellen zu erfragen. Eine Übersicht der relevanten Normen für den mechanischen Einbruchschutz wurde vorgestellt. Dabei wurden die Schwerpunkte dieser Normen angesprochen und ausführlich erläutert.

Das Fachwissen der kriminalpolizeilichen Beratungsstellen ist umfangreich und aktuell, lässt sich unschwer anhand der Ausführungen des Referenten feststellen und dieses sollte intensiv genutzt werden.

Die Grundlagen und Normen für die Erstausstattung einbruchhemmender Bauteile, Beschläge und Zubehörteile präsentierte Dipl.-Ing. (FH) Christian Kehrer (ift Rosenheim). Die Belastungen unserer Gesellschaft durch Einbruchdelikte sind in jedem Falle zu hoch. In der Bundesrepublik stehen ca. 1.200 geschulte Errichter und ca. 250 zertifizierte Unternehmen zur Verfügung, um die Sicherheit von Gebäuden, Wohnungen usw. durch einbruchhemmende Bauteile erhöhen zu können. Die neue „Einbruchnorm“ EN 1627 ff stellt den Stand der Technik auf diesem Gebiete dar. In seinen Ausführungen ging der Referent auf die Änderungen und Neuerungen dieser Norm ein. So haben sich die Bezeichnungen der Widerstandsklassen von WK in RC geändert und eine neue Stufe RC2N wurde eingeführt. Der Anwendungsbereich und die einzelnen Produktgruppen wurden besprochen und darauf hingewiesen, dass diese Norm für Tore nicht gilt.

Eingehend besprochen wurde der Weg zum geprüften einbruchhemmenden Bauteil und auf konstruktive Details hingewiesen. Bei der dynamischen Prüfung wurden die Prüfmethode und die Fallhöhen geändert. An Stelle des 30  kg-Sandsackes wird nun ein 50  kg-Doppelrad nach DIN EN 12 600 verwendet, das eine geringe Verschärfung bedeutet. Auch die Zusammensetzung der Prüfwerkzeuge erfuhr eine Änderung und deren Verwendung bei den verschiedenen Widerstandsklassen. Abschließend wurden noch die Anforderungen im Nationalen Anhang besprochen und die Korrelationstabelle sowie deren Handhabung erläutert.

Nachrüstung mechanischer einbruchhemmender Bauteile in Theorie und Praxis – was beinhaltet eine sinnvolle Nachrüstung? Zu dieser Frage nahm Günther Aichinger (MACO-Beschläge) Stellung und stellte bewährte Bauteile vor. Beratung und Einbau ist nur durch eine Fachkraft oder durch ein Fachunternehmen vorzunehmen, da in jedem Falle zu prüfen ist, ob z. B. das zu sichernde Objekt (Fenster, Türe usw.) für eine Nachrüstung geeignet ist. Dazu gehört die präzise Vermessung der Kunststoffprofile des Fenster- oder Tür­elements ebenso, wie die fachgerechte Montage. Daneben ist zu prüfen, wie der Verbund mit dem Mauerwerk ist, um die Wirksamkeit z. B. eines vorgesehenen Querriegels sicherzustellen. Ebenso ist die Eignung der Verglasung zu prüfen, die ggf. ausgetauscht werden muss. Dass eine solche Nachrüstung auch vor Ort möglich ist, wurde in einem Nachrüsttest demonstriert. Der gelieferte Nachrüst-Satz für ein Fenster konnte nach Vornahme der erwähnten Vorprüfung innerhalb einer guten Viertelstunde vor den Seminarteilnehmern praktiziert werden.

Mit Freiwilligen aus dem Teilnehmerkreis wurde ein „Einbruch“ an einem Standardfenster mit dem Werkzeugsatz Schraubendreher (30  cm) und Keil demonstriert­. Innerhalb einer Minute war das Fenster offen. Die Geräuschentwicklung hielt sich in Grenzen, sodass der Vorgang in der Praxis durchaus hätte unentdeckt bleiben können. Ein anderer Teilnehmer benötigte knapp 3 Minuten und hätte wohl weniger Chancen gehabt, unentdeckt zu bleiben, zumal die hohe Geräuschentwicklung das Vorhaben entsprechend negativ beeinflusste.

Der zweite Teil der Versuche wurde dann mit dem bereits erwähnten nachgerüsteten Fenster durchgeführt. Zusätzlich wurde das „schwerere“ Werkzeug benutzt, nämlich ein Kuhfuß mit Keilen. Hier waren sehr kräftige Personen erforderlich, um die Werkzeuge richtig ansetzen zu können. Das Fenster konnte erst nach knapp 14 Minuten geöffnet­ werden und die Geräuschentwicklung war sehr hoch, denn die metallischen­ Pilzkopf-Verriegelungen mussten zerstört werden. Das Fensterprofil war natürlich völlig demoliert. Der Erfolg einer Nachrüstung war überzeugend.

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Effektive Bauteile zu einbruchhemmenden Maßnahmen sind die Türschloss-Zylinder. Über Arten und dem Aufbau solcher Systeme referierte Gerhard Meckbach (ABUS GmbH). In der Kriminalstatistik macht der Eingriff in die Schließzylinder einen nur geringen Prozentanteil aus, was auf eine erfolgreiche Prävention mit dieser Technik anzusehen ist. Der Zylinderaufbau wird erklärt und darauf hingewiesen, dass mit einem Schlüssel mit 13 Stiftlängen über 4,82 Millionen Schließkombina­tionen theoretisch möglich sind. Bei Einschränkungen nach DIN EN 1303 verbleiben immerhin noch 2,25 Millionen Schlüsselkombinationen. Hinzu kommen Aufbohrschutz und Schutz gegen Ziehen des Zylinders. Viele Beispiele von Türzylindern zeigten die unterschiedlichsten Einsatzgebiete und den zugehörigen Klassifizierungsschlüssel nach dieser Norm. Auch über die mechatronischen Türzylinder und deren Systemmerkmale wurde eingegangen und die Unterschiede aufgezeigt. Die Grundanforderungen nach DIN EN 15  684 sind umfangreich und der Einsatz der vielfältigen Produkte erfordert fachgerechte Beratung.

Ergänzend wurden Einsatzempfehlungen für geprüfte Nachrüstprodukte besprochen­ und deren Prüfmodus erklärt­. So fordert z. B. die Montage von Panzerriegeln an Wohnungseingangstüren besondere Sorgfalt und hat nur dann einen Sinn, wenn das Türblatt eine­ ausreichende Festigkeit gegen­ „Durchtreten“ aufweist. Außerdem wurde die korrekte Montage von Panzerriegeln gezeigt und auf die Notwendigkeit einer fachgerechten Verdübelung hingewiesen. Dübel müssen für den jeweils zur Verfügung stehenden Untergrund ausgewählt werden und fachgerecht eingesetzt werden. Die verschiedenen Dübelarten und deren Wirksamkeit wurden erläutert (Spanplatten, Ziegelmauerwerk mit unterschiedlicher Struktur, Beton usw.). Verbundmörtelset­, Injektionsmörtelset sowie verschiedene Befestigungsanker stehen im Markt zur Verfügung, wobei die jeweiligen Anwendungshinweise unbedingt zu befolgen sind.

Einen aufschlussreichen Überblick über Befestigungstechnik und Mauerwerkskunde in Theorie und Praxis gab Dr.-Ing. Dipl.-Wirt. Ing. (FH) Jürgen H.  R. Küenzlen M.A. und ging auf die Befestigungsart von Fenstern in den Widerstandsklassen 2 und 3 mit den zugehörigen Normen ein.
Die geprüften Eigenschaften der Bauteile gemäß ihrem Prüfbericht können nur durch eine fachgerechte Befestigung im Mauerwerk Wirkung zeigen.
Über die Grundlagen der Dübeltechnik für die verschiedenen Mauersysteme wie Beton, Mauerwerk-Vollstein, Mauerwerk-Lochstein und Leichtbauwerkstoffe, gab eine informative Grafik Aufschluss.

Vor der Auswahl der geeigneten Dübel ist eine Ermittlung der Art des Verankerungsgrundes durch Bohren unerlässlich. Kriterien für dessen Beurteilung sind tabellarisch vom Dübelhersteller erfasst. Wichtig ist, dass das Bohrloch durch Bohren und nicht durch Hammerbohren (Schlagbohrmaschine) und jeweils senkrecht zur Oberfläche erzeugt wird.

In einer praktischen Vorführung wurden die unterschiedlichen Fehlerquellen und die Beurteilung des jeweiligen Befestigungsuntergrundes gezeigt und erläutert. Nur bei fachgerechtem Einbringen des jeweils passenden Dübels konnte ein erfolgreicher Ausziehversuch nachgewiesen werden. Bei der Montage von Dübeln in bauaufsichtlich relevantem Bereich (z.B. Fassade) ist grundsätzlich die Zulassung des Dübelproduktes zu beachten. In bestimmten Mauerwerken sind chemische Befestigungssysteme anzuraten, da sich neben dem Formschluss auch ein Stoffschluss ergibt. Bei mechanischen Befestigungssystemen z.B. in Beton, ist darauf zu achten, dass die Schraube drehmomentkontrolliert eingebracht wird, um ein Sprengen der Befestigungsstelle oder das Abdrehen der Schraube zu vermeiden.

Jens Pickelmann (ift Rosenheim) hatte mit seinen sehr informativen Vorträgen einen gewichtigen Anteil zum Leitthema: „Einbruchhemmende Nachrüstprodukte für Fenster und Türen“.

Der in DIN 18 104-1 und DIN 18 104-2: Einbruchhemmende Nachrüstprodukte für Fenster und Türen in Theorie und Praxis gegliederte Vortrag, befasste sich mit den Inhalten der Normen und den genannten Prüfungen.

Ebenso wurden die Voraussetzungen an eine Nachrüstung besprochen, die bei Produkten unterschiedlichen Materials wie Kunststoff oder Holz, jeweils andere Voraussetzungen erfüllen müssen. Eine wichtige Ausnahme ist zu beachten: Feuerschutzabschlüsse können und dürfen nicht nachgerüstet werden!

Nachrüstprodukte müssen entsprechend geprüft und zertifiziert sein, bevor diese angewendet werden dürfen. Auch die Eignung des nachzurüstenden Produktes muss überprüft werden wie z. B., ob die vorhandenen Profile die geeigneten Nuten aufweisen, um die Nachrüstprodukte einbringen zu können. Eine Prüfung der anstehenden Gesamtkosten ist vorzunehmen, da ggf. sich ein neues Produkt als kostengünstiger erweist. Neben einer neuen Verriegelungstechnik sollten auch andere sicherheitsrelevante Produkte in Betracht gezogen werden, wie z. B. abschließbare Fenstergriffe, Sicherungen von Schiebetüren, Bohrschutz für Fenstergetriebe und Türschlösser, Rollläden mit stabilen Profilen und Aushebesicherungen, Bandseitensicherungen gegen Ausheben, Querriegel usw.

Die Palette der Sicherheitseinrichtungen ist umfangreich und deshalb ist eine professionelle Beratung unerlässlich. Auf die Möglichkeiten der Information bei den Kriminalpolizeilichen Beratungsstellen, die landesweit zur Verfügung stehen, wurde abschließend noch hingewiesen.


Otto Bielmeier

"Der TTF-Report ist das Branchenportal rund um die Bereiche  Tür, Tor, Fenster, Brand- und Einbruchschutz."

Dipl.-Ing. Ulrike Götz, 
Verantwortliche Redakteurin

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